Der Schweizer Arbeitsmarkt verliert nach Jahren hoher Nachfrage an Dynamik. Die Zahl der Stellenausschreibungen ging im zweiten Quartal 2026 um 2,4 % gegenüber dem Vorquartal zurück. Gleichzeitig sorgen Stellenreduktionen bei grossen Arbeitgebern aus Finanzwesen, Industrie und weiteren Branchen für Bewegung im Markt.
Hinter dieser allgemeinen Abkühlung verbergen sich jedoch deutliche Unterschiede: Während die Nachfrage in einigen Berufsfeldern zurückgeht, werden Fachkräfte im Gesundheitswesen, in Industrie und Produktion sowie in der IT weiterhin gesucht. Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz verändert zudem, welche Kompetenzen Unternehmen benötigen.
Unser Labour Market Report 2026 zeigt diese Entwicklungen anhand aktueller Daten auf.
Mehrere grosse Schweizer Arbeitgeber haben Stellenreduktionen angekündigt. UBS plant beispielsweise, bis 2027 rund 3'000 Stellen in der Schweiz abzubauen. Auch Unternehmen wie Novartis, Kühne+Nagel, Helvetia und Baloise, Sunrise, SRG und Globus reduzieren ihre Belegschaften.
Neben Konsolidierungen infolge von Zusammenschlüssen wirken sich auch die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf Personalentscheidungen aus. Entsprechend zurückhaltend zeigt sich der Stellenmarkt: Im zweiten Quartal 2026 sank die Zahl der ausgeschriebenen Stellen um 2,4 % gegenüber dem Vorquartal.
Die allgemeine Entwicklung des Stellenmarktes erzählt nur einen Teil der Geschichte. Im Gesundheitswesen nahm die Nachfrage nach Fachkräften um 17 % zu, bei Industrie- und Produktionsspezialisten um 12 % und in der IT um 6 %. Wissenschaftliche sowie kaufmännische und wirtschaftliche Profile verzeichneten dagegen Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich.
Für Arbeitgeber wird damit ein differenzierter Blick auf einzelne Funktionen und Qualifikationen wichtiger. Von einem einheitlichen Schweizer Arbeitsmarkt kann derzeit kaum gesprochen werden.
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ist zunehmend im bestehenden Arbeitsmarkt verankert. Mehr als CHF 80 Milliarden an Löhnen entfallen mittlerweile auf Funktionen, in denen Arbeit durch KI ergänzt wird.
Das deutet darauf hin, dass Mitarbeitende mit einem sicheren und praxisnahen Umgang mit KI auch bei einer insgesamt schwächeren Stellennachfrage gefragt bleiben. Entscheidend ist dabei zunehmend die Kombination aus fachlicher Expertise und der Fähigkeit, neue Technologien sinnvoll in die eigene Arbeit zu integrieren.
Ein rückläufiges Stellenangebot bedeutet nicht automatisch, dass qualifizierte Fachkräfte leichter zu finden sind. Entscheidend ist vielmehr, in welchen Bereichen Unternehmen rekrutieren. Während sich der Bewerbermarkt in einigen Funktionen entspannt, bleibt der Wettbewerb um gefragte Spezialisten in anderen Bereichen bestehen.
Für Arbeitgeber bedeutet das, ihre Recruiting-Strategie stärker nach Funktionen und benötigten Kompetenzen auszurichten. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Fähigkeiten durch den zunehmenden Einsatz von KI wichtiger werden und wie bestehende Mitarbeitende entsprechend weiterentwickelt werden können.
Auch der Zugang zu internationalen Fachkräften bleibt relevant. Die weiterhin hohe grenzüberschreitende Mobilität erweitert den Talentpool und bietet Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, Kompetenzen zu gewinnen, die auf dem Schweizer Markt nur begrenzt verfügbar sind.
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