Dealflow rückläufig. Warum Private Equity weiterhin stark rekrutiert
Die Private-Equity-Transaktionsaktivität in ganz Europa, einschliesslich der Schweiz, hat sich seit 2023 deutlich verlangsamt. Transaktionsvolumen und Exits liegen weiterhin deutlich unter dem Höchststand von 2021, die IPO-Märkte sind weitgehend geschlossen und Sponsor-zu-Sponsor-Transaktionen erfolgen selektiver. Trotz dieses Abschwungs bleibt die Einstellungsdynamik in PE-finanzierten Portfoliounternehmen robust.
„Viele gehen davon aus, dass weniger Deals automatisch weniger Neueinstellungen bedeuten“, sagt William Andreae-Jones, Senior Executive Search Specialist bei Robert Walters. „In der Praxis treiben jedoch die Dynamiken innerhalb der Portfolios die Nachfrage nach erfahrener Führung – nicht die Erwartung einer kurzfristigen Erholung der Deal-Aktivität.“
Längere Haltedauern, stärkerer Fokus auf Umsetzung
Die Haltedauern haben sich verlängert, der Beitrag von Leverage zu den Renditen ist gesunken, und Wertschöpfungspläne werden ausgeweitet oder angepasst. PE-Firmen konzentrieren sich stärker darauf, die Performance bestehender Beteiligungen zu verbessern, was den Bedarf an operativen Führungskräften und Senior Executives erhöht.
Höhere Finanzierungskosten und eine konservativere Kreditvergabe haben den Einfluss von Leverage und Multiple-Expansion reduziert. Die Performance hängt heute in erster Linie von EBITDA-Wachstum, Cashflow-Generierung und operativer Resilienz ab.
„Das verschiebt den Fokus bei Neueinstellungen weg von Deal-Teams hin zu Operating Partner*innen, Portfolioverantwortlichen und leitenden Fach- und Führungskräften mit nachweislicher Erfahrung in der Umsetzung von Veränderungen unter Private-Equity-Eigentümerschaft“, erklärt Andreae-Jones. „Besonders gefragt sind Kompetenzen in den Bereichen Preisgestaltung, Kostenkontrolle, Working Capital und Governance.“
Dynamiken in der Schweiz und der Romandie erhöhen die Anforderungen
Der Trend ist besonders im Schweizer Mid-Market sichtbar, wo Portfolios häufig in den Bereichen Industrie, Healthcare, B2B-Services und Konsumgüter-KMU konzentriert sind. In diesen Sektoren bietet operative Verbesserung grösseres Wertsteigerungspotenzial als reine Finanzstrukturierung.
In der französischsprachigen Schweiz ist der Pool an Führungskräften mit Private-Equity-Erfahrung begrenzt, häufig werden zweisprachige Französisch-Englisch-Kenntnisse vorausgesetzt, und das Schweizer Arbeitsrecht erhöht die Kosten von Fehlbesetzungen im Management.
„Diese Rahmenbedingungen verschärfen das Umsetzungsrisiko und machen Fehlbesetzungen schwerer korrigierbar“, so William.
Implikationen für Executive Search
Da Private-Equity-Fonds operative Kompetenzen früher und systematischer in ihren Portfolios verankern, wird Executive Search zunehmend zu einer strategischen statt rein transaktionalen Entscheidung. In einem engen, beziehungsgetriebenen Markt reicht reiner Zugang nicht mehr aus; Urteilsvermögen und Glaubwürdigkeit gegenüber Sponsoren und Management-Teams sind entscheidend.
William ergänzt: „Die effektivsten Suchen verbinden tiefe Netzwerke mit einem Verständnis für Governance-Strukturen der Investoren und operative Prioritäten. Es geht darum, Führungspersönlichkeiten zu finden, die in bestehenden Portfolios echten Mehrwert schaffen – nicht nur Positionen zu besetzen.“
Ein struktureller Wandel, kein Widerspruch
Die Nachfrage nach Führungskräften bleibt hoch, weil Private Equity in eine umsetzungsgetriebene Phase eingetreten ist. Bei verzögerten Exits und eingeschränktem Leverage rückt operative Exzellenz in den Mittelpunkt der Wertschöpfung und -sicherung. „Das ist kein Widerspruch“, schliesst Andreae-Jones. „Es ist ein struktureller Wandel in der Art und Weise, wie Private-Equity-Firmen Wert schaffen und absichern.“
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William Andreae-Jones
Head of Financial Services | Robert Walters SchweizDas könnte Sie ebenfalls interessieren
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